A/B Usertest, wer macht das Rennen?

In meinen letzten Projekten mit Kunden machte ich zwei spannende unterschiedliche Erfahrungen für Unternehmen des Healthcare Bereichs. Temedica, ein junges Start-Up aus München, das sich mit medizinischen Präventions-Apps beschäftigt und Coliquio, Deutschlands größte Plattform für niedergelassene Ärzte aus Konstanz. Hier berichte ich über die Erfahrung bei Temedica.

Für Temedica heuerte ich als Product-Owner für ihre medizinische Präventions-App Pelvina an. Das Produkt befand sich mitten in einer Redesign-Phase obwohl es erst 1,5 Jahre alt war. Die Herausforderung bestand darin, eine solide agile Projektplanung aufzustellen, die den Teammitgliedern entgegenkam und den bestehenden Strukturen gerecht wurde.

Drunter, Drüber, Gerade aus

Folgende Standards der Produktentwicklung führte ich ein:

  • Roadmaps
  • Kanban-Boards
  • priorisierte Tätigkeiten und Tasks

All dies hatte zum Ziel die Auslastung der Mitarbeiter zu reduzieren. Dadurch wurde es möglich Entwicklungen voranzutreiben die für das Große und Ganze, die Produktvision, relevant waren und trotzdem die Bearbeitung täglich wechselnder auftretenden Anforderungen abzuarbeiten. Ich führte erfolgreich User-Stories mit Akzeptanzkriterien und regelmäßigen Entwicklungsteam-Meetings ein. Ich strukturierte den gesamten Entwicklungsprozess, von Stakeholder-Anforderungen bis zum App-Release neu.

Temedica - Produktzyklen und Stadien

Jeder hat was zu sagen

Im Pelvina-Team herrschte hoher Ideenreichtum und doch mitunter Frustration über die Umsetzungsgeschwindigkeit und Möglichkeit. Um zu verdeutlichen in welchem Stadium sich die App und das Unternehmen befand fertigte ich eine Grafik an. Diese verdeutlichte welche Ideen gerade zum Projekt passten. Darüber hinaus etablierten wir einen nutzerzentrierten Produktentwicklungsprozess. Ich zeigte dem Team auf, wie es seine Ideen frühzeitig mit Nutzern evaluieren konnte um Kapazitätsengpässe zu vermeiden.

Hierbei fiel einmal mehr auf wie die Konzentration auf zu wenig Metriken selbst beim qualitativen Nutzungstesten irreführend sein kann. Das Onboarding der App sollte durch einen Chatbot-Dialog ersetzt werden. Ich empfahl User-Tests um sicher zu gehen, dass ein technologischer Trend ohne einen Mehrwert für den Nutzer umgesetzt wird. Wir legten unterschiedlichen Nutzern in wechselnder Reihenfolge beide Varianten als Click-Prototypen vor. Anschließend befragten wir die Nutzer zu ihrer Benutzererfahrung. Variante A war ein klassisches Onboarding mit Bildern zum durchblättern, Variante B der Chatbot.

Temedica - Pelvina klassisches Onboarding

Hey! Nette schöne Bilder, aber was hast Du gesagt?

Interessanterweise schnitt die klassische Variante in unserem abschliessendem Fragebogen viel besser ab. Den Leuten gefiel was sie sahen, sie hatten eine professionelle angenehme Nutzererfahrung. Spannend wurde es aber als wir sie zu inhaltlichen Details der App fragten, die in beiden Varianten vorgestellt wurden. Das Verständnis der Inhalte war für den Business-Erfolg kritisch. Bei Variante A wußte fast niemand unsere Fragen zum Inhalt zu beantworten. Beim Chatbot jedoch, hatte jeder Studienteilnehmer erfasst was er als nächstes machen mußte. Dieses Ergebnis war für uns entscheidend und wir setzten den Chatbot tatsächlich um. Das habe ich über die unterschiedlichen Varianten gelernt:

Interaktionsmuster

  • Chat-Analogien und Chatbots helfen, das Nutzer zuhören und verstehen.
  • Illustration beim Onboarding begeistern. Können aber von relevanten Inhalten ablenken.

Temedica - Pelvina Chatbot

Auch im späteren Live-Betrieb des Chatbots reduzierte sich tatsächlich nicht nur die Fehleranfälligkeit durch irrtümliche Kaufabschlüsse, sondern auch die Conversion-Rate aller Abschlüsse erhöhte sich zur Vorgängervariante. Es war ein Erfolg und zeigte erneut auf, dass man nicht genug Fragen stellen kann bei Nutzungstests und User-Research.

Zu meinen Erfahrungen bei Coliquio berichte ich beim nächsten Mal.